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Alt­stadt­häuser in Stral­sund

1993, 1997, Jasper Herrmann, Mecklenburg-Vorpommern, Preisgekrönt, Reinhold Wuttke, Uwe Kekeritz
Stralsund, Katharinenberg 57 (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Stralsund, Katharinenberg 8 (Bild: Karin Berkemann, 2021)

  • Hafenstraße 12
  • Katharinenberg 57

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BAUTEN: Altstadthäuser
ADRESSEN: 1) Katharinenberg 8, 18439 Stralsund; 2) Hafenstraße 12B, 18439 Stralsund
BAUZEITEN: 1) 1993; 2) 1997
ARCHITEKT:INNEN: 1) Wuttke + Kekeritz (Reinhold Wuttke, Uwe Kekeritz) (Entwurf); Winfried Ebner (Bauleitung); 2) Jasper Herrmann
PREISE: 1) 1994, Deutscher Bauherrenpreis (Lobende Erwähnung); 2) Architekturpreis für vorbildliche Gewerbebauten (Westhype-Stiftung) u. a.

Wollte man auf einer Stralsund-Karte die Highlights der 1990er Jahre hervorheben, man müsste die gesamte Altstadt markieren. Schon zur späten DDR-Zeit kämpften Bürger:inneninitiativen gegen das Vorhaben, weite Teile der historischen Häuser niederzureißen. Und ohne diese kreativen Ansätze zum Sanieren und Rekonstruieren, die nach 1990 im großen Stil fortgeführt und neu gedacht wurden, hätte es die Hansestadt wohl kaum 2002 auf die UNESCO-Weltkulturerbeliste geschafft. Mit den Bundes-Förderprogrammen Modellstadt und Städtebaulicher Denkmalschutz wurde im Stralsund der Nachwendezeit vieles möglich. Besonders greifbar ist der überlegte Umgang mit dem Erbe, schaut man auf die Lückenbauten der 1990er Jahre. Sie zeigen nicht nur selbstbewusst die neuerworbene postmoderne Gestaltungsfreiheit, sondern gehen auch überraschend rücksichtsvoll mit ihren älteren Nachbarhäusern um.

Stralsund, Hafenstraße (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Stralsund, Hafenstraße 12B, verkleidet mit leuchtend orangefarbenen Platten (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Abrissstopp und Weiterbauen

Noch im Dezember 1989 hatten Bürger:inneinitiativen einen Abrissstopp für die Altstadt ertrotzt. Im Mai 1990 formierte sich die Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund (SES), die zu einem starken Motor der folgenden Sanierungsjahre wurde. Sie trat auch als Bauherrin und Eigentümerin für das Projekt am Katharinenberg 8 auf. Am westlichen Rand der Altstadt, hinter dem Knieperwall, entwickelten die Architekten Reinhold Wuttke (1941–2025) und Uwe Kekeritz dafür aus einer Hofsanierung 1993 einen Gewerbebau mit Mietwohnungen.

Das Büro Wuttke + Kekeritz hatte sich in Neumünster bereits den 1980er Jahren einen Namen durch denkmalgerechte Sanierungen und Ergänzungsbauten gemacht. Am Katharinenberg in Stralsund durchbrachen sie die helle Putzfassade durch Balkone sowie hochrechteckige und runde Fenster. Zeittypisch wurden die Rahmen, Geländer und gelochten Doppel-T-Träger mintgrün gefasst. Der mittige, prismenförmig verglaste Erker wird von einem Freisitz mit tonnengewölbter Überdachung bekrönt. Im Erdgeschoss öffnet sich seitlich ein schmaler Durchgang zum Hinterhof.

Stralsund, Katharinenberg 8 (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Stralsund, Katharinenberg 8 (Bilder: Karin Berkemann, 2021)

Mintgrün mit Aussicht

Am anderen Ende der Altstadt, im Hafengebiet, errichtete der Architekt Jasper Herrmann 1997 sein eigenes Atelierhaus. Bereits 1990 hatte er vor Ort ein Büro eröffnet und sich in der Region auf Sanierungen im kirchlichen Bereich sowie Neubauten von Einfamilienhäusern spezialisiert. Für sein Projekt in der Hafenstraße 12B wählte er eine Stahlbeton-Holz-Mischkonstruktion. In prominenter Lage hebt sich der Bau durch die leuchtend orangefarbenen Brettschichtholzplatten der Fassade hervor.

Im Inneren, wo das Treppenhaus als gläserne Fuge zum benachbarten Altbau dient, verweist eine blaue Betonlasur auf das maritime Umfeld. Die großzügig verglaste Fassade gipfelt in einem zurückgesetzten Dachaufbau, der den weiten Ausblick auf den Hafen in Szene setzt. Zwei Jahre nach diesem Atelierhaus errichtete Herrmann einen ähnlich gestalteten Verwaltungsbau für das Meeresmuseum auf dem Danhölm, einer Insel vor Stralsund.

Stralsund, Katharinenberg 57 (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Stralsund, Katharinenberg 8 (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Einmal Frankfurt und zurück

Während am Katharinenberg 8 noch deutliche Parallelen zur postmodernen Frankfurter Saalgasse zu beobachten sind, versteht Jasper Herrmann sein Atelierhaus am Stralsunder Hafen bereits als Ausdruck des Kritischen Realismus. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde 2008 das Ozeaneum in der Hafenstraße eingeweiht. Dieser von Behnisch & Partner gestaltete Museumsbau hebt sich mit hellen Außenflächen und geschwungenen Formen von der Altstadt ab und markiert damit den nächsten Schritt im Umgang mit dem Bestand.

Text: Karin Berkemann, Januar 2026

Stralsund, Hafenstraße 12B (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Stralsund, Hafenstraße 12B (Bild: Karin Berkemann, 2021)

Breßler, Jana u. a. (Hg.), Stadtwende. Bürgerengagement und Altstadterneuerung in der DDR und Ostdeutschland, Berlin 2022.
Online-Kartierung auch zur Stralsunder Altstadt des Projekts Stadtwende.
Zu Bildrechten nach Creative Commons informieren Sie sich bitte online über die entsprechenden Bestimmungen.

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Ein Projekt von moderneREGIONAL mit Baukultur NRW, den Betonisten, dem BDA Hessen, dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, dem Denkmalschutzamt Hamburg, dem baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, urbanophil und dem Landesamt für Denkmalpflege Bremen, fachlich beraten durch Kirsten Angermann, Daniel Bartetzko, Dr. Andreas Butter, Dr. Martin Bredenbeck, Dr. Matthias Ludwig und Olaf Mahlstedt, redaktionell betreut von Peter Liptau, unter der Projektleitung von Dr. Karin Berkemann.
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