
Bremen, Universum Science Center, Zugang zum Ausstellungsgebäude (Bild: Matthias Süßen, CC BY SA 3.0, 2014)
BAUTEN: 1) Congress Centrum (CCB); 2) Universum Science Center
ADRESSEN: 1) Findorffstraße 101, 28215 Bremen; 2) Wiener Straße 1a, 28359 Bremen
BAUZEITEN: 1) 1990–1992; 2) 1996–2000
ARCHITEKT: 1)–2) Thomas Klumpp
In acht Jahren von Pomo auf Blob? Bremen kann das. Genauer gesagt, der Architekt Thomas Klumpp konnte das, mit zwei seiner markantesten Bauten der 1990er Jahre: dem unbeschwerten Stilmix des Congress Centrum (1992) und dem schimmernden Futurismus des Universum Science Center (2000). Beide werben mit ihrer je eigenen Formensprache um Aufmerksamkeit, um Menschen zu einem besonderen Anlass zusammenzubringen. Doch in der Wahl der Farben – mal pastellig, mal metallisch – spiegelt sich auch der Wandel architektonischer Vorbilder. Wo das CCB an ein frühes MTV-Video erinnert, ruft das Universum laut und vernehmlich: „Bilbao!“

Bremen, Congress Centrum, Fassade zur Bürgerweide (Bild: Blutgretchen, CC BY SA 3.0, 2014)
In prominenter Nachbarschaft
Um das 1992 eingeweihte Congress Centrum Bremen (CCB) wurde schon gestritten, bevor die Bauarbeiten überhaupt begonnen hatten, denn die Nachbarschaft war und ist keine einfache. Wendet man sich vom Hauptbahnhof aus nicht gen Altstadt, sondern nach Norden, öffnet sich die Bürgerweide, der große Festplatz (nicht nur) für den alljährlichen Freimarkt. Dieser wurde lange beherrscht von der ikonischen Stadthalle von Roland Rainer aus dem Jahr 1964, die ihre ingenieurtechnische Schönheit nach außen wendet. Dahinter blieb der Blick frei auf das Grün des Bürgerparks.
2004/05 erhielt die Stadthalle ein umstrittenes Makeover. Mit der Sanierung und Erweiterung – ebenfalls unter Beteiligung des Büros Klumpp – wechselte sie 2005 nicht nur ihren Namen (AWD-Dome, später: Bremen-Arena, ÖVB-Arena), sondern verlor auch viel von ihren bauzeitlichen Qualitäten. Zur selben Zeit entstand um die Jahrtausendwende ein Riegel, der dem Platz nach Nordwesten eine klare Kante verlieh: das Congress Centrum (1992), das Messe- und Veranstaltungszentrum (1997) sowie zuletzt die Messehalle 7 (2002). Rückwärtig wurde das CCB über einen Verbindungsgang an das ebenfalls neue Maritim-Hotel (1992) angeschlossen. Damit musste das Konferenzzentrum ein eigenes Profil ausbilden, das eine Brücke schlägt zwischen den dynamischen Formen der Stadthalle und den unaufgeregten Messe-Quadern mit offenliegendem Dachtragwerk.

Bremen, Congress Centrum, Foyer (links) und Vordach zur Bürgerweide (Bilder: links: Michael Bonfert, via google-Maps, 2023; rechts: Michael Cutter, via google-Maps, 2019)
Ein Hauch von Miami
Nach längeren Vorüberlegungen wurde 1985 der Wettbewerb für ein neues Kongresszentrum an der Bürgerweide ausgelobt. Klumpp erhielt hier zwar nur den zweiten Preis, aber schlussendlich den Auftrag. Im Verlauf der Arbeiten wurde der Kostenrahmen für das repräsentative Projekt noch nach unten reguliert. Das CCB verbindet heute eine klare Grundform mit verspielten Stilelementen der Postmoderne. Über dem natursteinverkleideten Sockel erhebt sich der leicht zurückgesetzte Glasquader, in den wiederum kleinere Raummodule eingestellt sind. Das flach geneigte, vorkragende Walmdach wird reihum von blau gefassten Elementen getragen: säulenähnliche Rundstützen und Segmentbogen-Verstrebungen.
Eine ausladende Stufenanlage mit seitlicher Rampe führt von der Bürgerweide direkt ins Erdgeschoss. Hier wird das Hauptportal durch eine Art Baldachin ausgezeichnet, für das sich rosa getönte Rundstützen und Dreiecksgiebel hintereinander in die Höhe staffeln. Ihre Reihe setzt sich im Foyer in die Waagrechte fort, wo sie über dem Schachbrettmuster des Bodens fast zu schweben scheinen. Im Inneren können neben den beiden Messehallen, die im Sockelgeschoss untergebracht sind, auch elf kleinere Veranstaltungsräume sowie fünf Säle zwischen 200 und 1470 Quadratmetern gebucht werden.

Bremen, Schnoorviertel, Marterburg, postmoderne Neubebauung (Bild: Jürgen Howaldt, CC BY SA 3.0, 2012)
Thomas Klumpp und Bremen
Geboren 1943 in Solingen, wurde Bremen schon zu Schulzeiten zum Wohnort des späteren Architekten Thomas Klumpp. Mit dem Abitur in der Hansestadt wechselte er zum Studium an die TU Hannover. Nach der Mitarbeit in unterschiedlichen Büros, machte sich Klumpp 1977, zurück in Bremen, selbständig. Sein Büro betrieb er dort von 1978 bis 1987 gemeinsam mit Wolfram Goldapp (1950–1995). Zusätzlich engagierte er sich ab 1981 in Lehraufträgen in der Ausbildung des Architekt:innen-Nachwuchses.
Als man in Bremen 1978 einen Wettbewerb auslobte, um eine größere Brache auf der Halbinsel Teerhof neu zu bebauen, konnten Goldapp & Klumpp den ersten Preis erringen. Obwohl der Siegerentwurf nie umgesetzt wurde, markierte er für Klumpp den Anfang einer ganzen Reihe prominenter Projekte in der Hansestadt. Manche der Bauten des Büros (Goldapp &) Klumpp wie die Eislaufhalle (1983 eingeweiht, 1996 abgerissen) sind inzwischen verloren. Doch andere – wie seine Mitwirkung an der Neugestaltung der Marterburg im Schnoorviertel (1979–1996) – gehören heute fest zur lokalen Identität und zum touristischen Profil.

Bremen, Universum Science Center, Ansicht zum See (Bild: Kora27, CC BY SA 4.0, 2014)
Der Blob vom See
Folgt man dem Bürgerpark, der sich im Nordosten des Congress Centrums aufspannt, und durchquert danach den Stadtwald, trifft man auf den Rand des Universitätsgeländes. Hier musste Klumpp bei seinem prominenten Spätwerk, dem Universum Science Center, kaum städtebauliche Rücksichten nehmen. Ganz im Gegenteil, der metallisch schimmernde Blob soll auffallen. Das gebaute Bild bietet bewusst mehrere Assoziationen an: Die organische Form erinnert viele an eine Miesmuschel oder einen Wal, manche an ein Ufo oder eine Pistazie. In jedem Fall wurde sie fotogen an den Rand eines angelegten Sees gerückt, in dem sich die rund 40.000 Edelstahlschindeln effektvoll spiegeln können.
Während die Stahlbetonkonstruktion, die um Fertig- und Holzmodule ergänzt wurde, im Südwesten aus dem See aufzusteigen scheint, bleibt es am anderen Ende, im Nordosten, im Erdreich verhaftet. Hier sind kleinere Funktionsräume der Ausstellungshalle angeordnet, deren Abluft wie über sechs Schornsteine eines Hochseedampfers zu entweichen scheint. Die Ausstellungsflächen im Inneren erschließen sich auf vier Ebenen. Natürliches Licht erhalten sie vor allem über einen schräg eingeschnittenen Lichtschlitz, der nicht der funktionalen Logik der Raumaufteilung folgt. 2007 erweiterte man die Anlage um zwei weitere Elemente: der rostrote Cortenstahl-Quader des Sonderausstellungsgebäudes sowie das Außengelände. Die Präsentationen, die naturwissenschaftliches Wissen in allen drei Teilen der Anlage erlebbar machen, wurden 2015 vollständig neu konzipiert.

Bremen, Universum Science Center, Treppenauge (Bild: Ulrich Köster, via google-Maps, 2024)
Immer eine Umdrehung mehr
In vielen der Klumpp-Entwürfe, auch bei Congress Centrum und Universum, finden sich typische Details – wie überdimensionale Stäbe, auf die und um die herum er gerne seine Treppenläufe stützt. Beide hier vorgestellten Bauten verkörpern das Gespür des Architekten für außergewöhnliche Formen, die in ihrem Umfeld auffallen, ohne es über Gebühr zu dominieren. Den Blick auf solche Qualitäten sollten man sich, mit nunmehr einer Generation Abstand, nicht von Klumpps Beteiligung an der tiefgreifenden Stadthallensanierung verstellen lassen.
Klumpps selbstbewusste Postmoderne, auf die der nicht minder profilierte Millennium-Stil folgte, war in Bremen äußerst willkommen. Hier ergänzte man die Altstadt ab der späten Moderne mehrfach um Neubauten in historischer Geste. Auch jenseits des Zentrums präsentierte sich etwa die Universität 1990 attraktiv mit dem Fallturm, einer technischen Versuchsanlage mit der Wirkung einer Landmarke. Und Thomas Klumpp konnte seine organische Formensprache mit internationalem Flair bereits 2007 im nahen Bremerhaven zum Klimahaus weiterentwickeln.
Text: Karin Berkemann, September 2025

Bremen, Congress Centrum, Eingang zur Bürgerweide (Bild: Blutgretchen, CC BY SA 3.0, 2014)

Bremen, Congress Centrum, Hansesaal (Bild: fihu, CC BY 2.0, 2006)

Bremen, Congress Centrum, Hansesaal (Bild: Congress Centrum Bremen, via google-Maps, 2020)

Bremen, Bürgerweide mit Messehallen, Congress Centrum und Stadthalle (Bild: Emkaer, CC BY SA 3.0, 2009)

Bremen, Universum Science Center, Luftbild der Anlage mit Ausstellungsgebäude, Sonderausstellungsgebäude und Außengelände zwischen Stadtwald und Universität (Bild: Bin im Garten, CC BY SA 3.0, 2012)
Klumpp, Thomas (Bearb.), Thomas Klumpp. Emotionale Architektur. Bauen – Entwürfe – Gedanken, Delmenhorst 1996.
Architekturführer Bremen.
Online-Auftritt von Klumpp Architekten.
Online-Auftritt des Universum.
Online-Auftritt des Congress Centrum.
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