
Potsdam, Filmuniversität Babelsberg, Außenbau (Bild: Online+Verwaltung, CC BY SA 4.0, 2013)
BAU: Filmuniversität Babelsberg (Konrad Wolf)
ADRESSE: Marlene-Dietrich-Allee 11, Haus 6, 14482 Potsdam
BAUZEIT: 1998–2000
ARCHITEKT:INNEN: me di um Architekten Jentz-Popp-Roloff-Wiesner
Ob sich das Fach „Film und Fernsehen“ wirklich lernen lässt (oder ob man es einfach im Blut haben muss), sei dahin gestellt. Aber wo es unterrichtet wird, hat in Potsdam seinen logischen Ort gefunden. Immerhin stehen in Babelsberg einige der ältesten großen Filmstudios der Welt. Nachdem die Filmhochschule zur DDR-Zeit über Jahrzehnte über verschiedene Häuser im Villenviertel verteilt war, sollte in den 1990er Jahren Abhilfe geschaffen werden. Der zentral gelegene Neubau wurde über ganze drei Tage hinweg, vom 4. bis 6. Oktober 2000, feierlich eingeweiht. Mit seinen 20.000 Quadratmetern Nutzfläche hatte das Ensemble satte 90 Millionen Deutsche Mark gekostet, um für die Studierenden eine gut vernetzte und bestens ausgestattete Lernumgebung zu schaffen.

Potsdam, Filmuniversität (Bild: links: Knud Marbach, via google-Maps, 2018; rechts: euroluftbild.de/Grahn, CC BY SA 3.0, 2012)
Hamburg-Potsdam
Den 1996 ausgelobten Wettbewerb um das Großprojekt konnte die Hamburger Planungsgemeinschaft „me di um Architekten“ (Thies Jentz, Heiko Popp, Jan Störmer, Peter Wiesner) für sich entscheiden und erhielt schließlich den Auftrag zur Umsetzung. Unter den „me di um“-Frühwerken findet sich etwa der Hamburger Messegang in der klaren Formensprache der Postmoderne. Ab 1990 hatten Jan Störmer (*1942) und sein englischer Berufskollege William Alsop (*1947) ein eigenes Büro betrieben. Gemeinsam verwirklichten sie Bauten wie das Hamburger Staatsarchiv (1998) oder das Hôtel du Département des Bouches du Rhône (1994) in Marseille.
Für den Potsdamer Bau verband das Büro spielerische Akzente wie die bunt gestreiften, überdimensionalen Mikado-Stäbe an der Gebäudeecke mit der kühlen Klarheit einer geschwungenen Glasfassade. In gut zwei Jahren – von der Grundsteinlegung am 24. Februar 1998 über das Richtfest am 16. November 1998 bis zur Einweihung im Oktober 2000 – wurden fünf eigenständige, auf dem langgestreckten Grundstück leicht schräg gestellte Riegel zu einem Ensemble verbunden. Dafür gruppieren sich alle Bauglieder unter einer gläsernen Hülle, um mit Stegen und Treppen miteinander in Verbindung zu treten.

Potsdam, Filmuniversität Babelsberg, Vorbau zur Straße (Bild: Andy Deck,, via google-Maps, 2019)
Alles fürs Klima
Die besondere Bauform erklären die Architekten (auch) über die großen klimatischen Vorzüge. Unter den Glasdächern wurden mehrere überdachte Atrien geformt, die durch die direkte Sonneneinstrahlung viel Energie einsparen, allerlei tropische Pflanzen beherbergen und nicht zuletzt eine positive Arbeitsatmosphäre vermitteln sollen. Die 1954 gegründete Hochschule erhielt bereits 1985, vor ihrem Umzug in den Neubau, den Beinamen „Konrad Wolf“ nach dem verstorbenen Regisseur und Präsidenten der Ausbildungsstätte. Zuletzt verdiente sich die Hochschule 2014 den Status der Universität und wurde 2021/22 um zwei weitere Neubauten ergänzt.
Text: Karin Berkemann, 2025

Potsdam, Filmuniversität Babelsberg, Foyer (Bild: google Business and Art, via google-Maps, 2025)

Potsdam, Filmuniversität, Pflanzen in einem der Atrien (Bild: Knud Marbach, via google-Maps, 2018)

Potsdam, Filmuniversität Babelsberg, Treppenhaus (Bild: google Business and Art, via google-Maps, 2025)
Online-Auftritt der Filmuniversität Babelsberg.
Online-Auftritt des Architekturbüros me di um.
Bericht zum Neubau im Baunetz.
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