
Brandenburg, Jahrtausendbrücke (Bild: Clemensfranz, CC BY SA 3.0, 2010)
BAU: Jahrtausendbrücke
ADRESSE: Ritterstraße/Hauptstraße, 14776 Brandenburg an der Havel
BAUZEIT: 1995–1996
Es ist fast 100 Jahre her, dass die Jahrtausendbrücke in Brandenburg über die Havel geschlagen wurde. Anlass war das runde Jubiläum der aufstrebenden Stadt, die damit einen ersten sowohl modernen als auch automobiltauglichen Zugang von Nordwesten ins Zentrum erhielt. Schon eine Generation später jedoch fiel die Brücke im April 1945. Der bis 1947 rasch folgende Wiederaufbau hielt nur zwei Generationen stand, bis er 1993 gesperrt, in der Folge abgerissen und 1996 durch die heute noch bestehende Brücke ersetzt wurde. Dieser Neubau überführt die reduziert klassischen, eher expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit in eine entspannte Postmoderne.

Brandenburg an der Havel, Jahrtausendbrücke, Einweihung am 7. September 1929 (Bild: Bundesarchiv, Bild 102-01256, CC BY SA 3.0, 1929)
Ein neuer Brückenschlag
Streng genommen, reicht die Geschichte der Jahrtausendbrücke weiter zurück bis ins Mittelalter, als sich im 13. Jahrhundert die erste Querung der Havel nachweisen lässt. Es folgten in unregelmäßigen Abständen mehrere Nachfolger, zuletzt ersetzte 1892 eine Eisenkonstruktion ihren hölzernen Vorgänger. Doch mit dem zunehmenden Verkehr, dem Siegeszug der Automobile und dem Wachstum der Stadt schien die Zeit reif für einen Neubau.
Zunächst musste die Eisenbrücke 1928 abgerissen werden. Was dann am 7. September 1929 feierlich eingeweiht wurde, sollte Menschen verbinden und stilistisch auf dem Höhepunkt seiner Zeit sein. Doch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs sprengte die deutsche Armee den gerade einmal 16 Jahre alten Bau mit rund 20 anderen Brücken, um – erfolglos – die abzusehende Niederlage abzuwenden.

Brandenburg, Jahrtausendbrücke (Bild: Lutz Raichle, via google-Maps, 2018)
Ein Hauch von Postmoderne
Am 4. Dezember 1996 wurde die neue Jahrtausendbrücke feierlich eingeweiht: eine Spannbetonkonstruktion, verkleidet mit weißem Klinker. Für das helle, leicht glänzende Oberflächenbild mit wenigen, aber gezielt gesetzten Profilen, mussten fast 50.000 Formsteine in unterschiedlichen Varianten gefertigt werden. Dabei blieb man in der Silhouette sehr nah am Vorgänger der Zwischenkriegszeit, wählte aber u. a. durch die nostalgisch ausgeschwungenen Laternen eher das Paris der Jahrhundertwende zum Vorbild.
Die Spuren einer ausklingenden Postmoderne sind vor allem bei den beiden Brückenhäusern sichtbar, die je ein zeittypisches kurzes Tonnendach erhielten. Über das Jahr 2025 verteilt, wurden zuletzt einige Stücke der Klinkerverkleidung der Brücke ausgetauscht, da durch erste Schäden Wasser in die Konstruktion eindringen und diese schädigen konnte. Für das Ersetzen der Widerlager laufen aktuell noch die Vorplanungen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Bauwerk nicht allzu rasch durch einen erneuten Nachfolger zur Seite geschoben wird.
Text: Karin Berkemann, 2025

Brandenburg, Jahrtausendbrücke mit Brückenhaus (Bild: Varus111, CC BY SA 3.0, 2010)

Brandenburg an der Havel, Jahrtausendbrücke, wohl nach 1947 (Bild: historische Postkarte)

Brandenburg, Jahrtausendbrücke, Luftbild (Bild: Queryzo, CC BY SA 4.0, 2015)

Brandenburg, Jahrtausendbrücke mit querender Straßenbahn (Bild: Peter Obendrüber, via google-Maps, 2017)

Brandenburg, Jahrtausendbrücke, Blick auf die Brückenpfeiler (Bild: Regina Sommer, via google-Maps, 2021)
Bauporträt auf dem Portal der Stadt Brandenburg.
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