
Bad Liebenstein, St. Kilian, Außenbau (Bild: Matthias Fleischer, CC BY SA 3.0, 2000)
BAU: St. Kilian
ADRESSE: Ruhlaer Straße 14, 36448 Bad Liebenstein
BAUZEIT: 1999–2000
MITWIRKENDE: Peter Alt, Thomas Britz (Architektur); Thomas Kammerer (Glasgestaltung); Gisela Lewecke-Weyde (Kreuzweg)
Irgendwie liegt St. Kilian immer dazwischen: zwischen Kirche und Kapelle, zwischen Wohnhaus und Sonderbau, zwischen Straße und Wald, zwischen Supermarkt und Spielplatz. Als in der protestantisch geprägten Kurstadt Bad Liebenstein im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert langsam wieder eine römisch-katholische Gemeinde zusammenfand, stand den Gläubigen ab 1906 zunächst nur eine Kapelle im Kurheim Maria Regina zur Verfügung. Noch während des Zweiten Weltkriegs erhielt man 1944 eine eigene Pfarrstelle, wurde zwei Jahre später zur Kuratie und 1957 zur Pfarrei erhoben. Der Bau Maria Regina wurde 2001 samt Andachtsraum geschlossen, 2007 verkauft und schließlich zum „Hotel Kapelle“ umgenutzt. Stattdessen feiert die Gemeinde ihre Messe seit 2000 in einem Neubau, der Kirche St. Kilian.

Bad Liebenstein, St. Kilian, Innenraum zum Altar (Bild: Matthias Fleischer, CC BY SA 3.0, 2000)
Ein Millenniumsbau
Den 1997 ausgelobten Wettbewerb für den Kirchenneubau konnten die Saarbrücker Architekten Thomas Alt (* 1960) und Peter Britz (* 1963) für sich entscheiden und erhielten den Auftrag zur Umsetzung. Mit einigen Jahren Pause, betrieben sie von 1993 bis 2013 in Saarbrücken ein gemeinsames Büro. Beide hatten dort an der Hochschule des Saarlands ihr Studium absolviert. Zu ihren bekanntesten Werken zählen die beiden Kirchen Maria Königin in Heusweiler-Obersalbach von 1998 – und natürlich die zwei Jahre später geweihte Kirche St. Kilian im thüringischen Bad Liebenstein.
Die markante Würfelform dieser beiden rostrot gefassten Kirchen (bei ganz unterschiedlichen Dachlösungen) wird gerne mit dem biblischen Bild des Himmlischen Jerusalem in Verbindung gebracht, wie es am Ende der Johannesapokalypse nachzulesen ist. Dass Peter Britz 1986/87 bei Mathias Oswald Ungers, dem Großmeister des Quadrats, gearbeitet hat, dürfte dabei sicher auch eine Rolle gespielt haben. In jedem Fall wählten Alt und Britz hier das beliebte Format des Würfelhauses, wie wir es etwa vom italienischen Architekten Aldo Rossi für ganz profane Zwecke kennen.

Bad Liebenstein, St. Kilian, Foyer (links) und Osterleuchter mit Blumenteppich (Bild: links: Matthias Fleischer, CC BY SA 3.0, 2000; rechts: Jerzyjan1, CC BY SA 4.0, 2016)
Bei Bedarf erweiterbar
Nachdem am 21. Mai 1999 der Grundstein gelegt worden war, konnte man bereits am 9. Juli 2000 die Weihe der Kirche feiern. Bis heute liegt St. Kilian zwischen dem Elisabethpark im Osten, der Ruhlaer Straße im Westen und dem Supermarkt im Süden – ansonsten umfängt lockere, durchgrünte Wohnbebauung das Kirchengrundstück. Dem Kirchenkubus im Nordwesten steht ein Pfarrhausriegel im Südosten gegenüber. Gemeinsam umfangen sie einen großzügigen offenen Platz.
Beide Bauglieder teilen den sandsteinrot gefassten Putz, unterscheiden sich aber in der Dachlösung. Zudem zeigt der Kirchenkubus an seinen drei Außenwänden je ein eingetieftes Kreuz, das sich im Fensterkreuz des mittigen Lichtschachts wiederholt. Dem quadratischen Grundriss des Gottesdienstraums ist T-förmig ein Foyer und dahinter ein Riegel mit Funktionsräumen vorgelagert. Beide Bereiche können der Kirche bei Bedarf zugeschaltet werden, sodass St. Kilian bis zu 250 Menschen fassen kann.

Bad Liebenstein, St. Kilian, Kirchenkubus (Bild: Metilsteiner, CC BY SA 4.0, 2014)
Unter dem Lichtkamin
Das deutlichste Zeichen, dass man hier einen besonderen Bau vor sich hat, sendet der Lichtschacht. Die Würfelform sitzt mittig auf dem Kirchendach und wurde vom Glasmaler Thomas Kammerer gestaltet. Fünf ihrer sechs Seiten sind in Klarglas gehalten, das Tageslicht in den Raum fallen lässt. Darauf brachte Kammerer sonnengelbe, abstrakte Farbspuren an. Auch die Altarwand wird durch ihre Lichtwirkung hervorgehoben, denn die eingetiefte Kreuzform ist mit dünnen Marmorscheiben geschlossen, die am Tag hell schimmern. Daneben ist noch der Kreuzweg der Künstlerin Gisela Lewecke-Weyde eine Erwähnung wert. In diesem fast intimen Kirchenraum wird die Gemeinschaft betont, indem die beiden Bankblöcke einander gegenüberstehen. Zwischen ihnen erstreckt sich die liturgische Achse aus Osterkerze, Taufstein, Ambo und Altar.
Ursprünglich läutete eine kleine, von einem Gemeindeglied gestiftete Glocke direkt an der Südwestfassade zu den Gottesdiensten. Nachdem sich diese Lösung als konstruktiv nicht dauerhaft erwies, wurde die Glocke abgenommen und schließlich 2021 mit einem freistehenden, niedrigen Holzgestell versehen. Stolz ist die Gemeinde auch auf ihren Blumenteppich, den sie – bereits seit der Zeit vor dem Neubau – an Fronleichnam schmückend auslegt.
Text: Karin Berkemann, 2025

Bad Liebenstein, St. Kilian, in der Fertigstellung (Bild: Michael Durwen, via kirchbau.de, CC BY SA 3.0, um 2000)

Bad Liebenstein, St. Kilian, Nebenbauten (Bild: Michael Durwen, via kirchbau.de, CC BY SA 3.0, um 2000)

Bad Liebenstein, St. Kilian, Ensemble mit dem neuen Glockenträger (Bild: Tilman2007, CC BY SA 4.0, 2025)

Bad Liebenstein, St. Kilian, Grundstein (Bild: Metilsteiner, CC BY SA 4.0, 2014)
Online-Auftritt der Kirchengemeinde.
Kirchenporträt auf der Straße der Moderne.
Bericht zur Weihe im „Tag des Herrn“.
Online-Auftritt des Architekten Peter Alt.
Online-Auftritt von Atelier Britz.
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