
Bad Müncheberg, St. Marien, Blick vom Chorraum ins Schiff (Bild: Detlef Lachner, via google-Maps, 2022)
BAU: St. Marien
ADRESSE: Ernst-Thälmann-Straße 55, 15374 Müncheberg
UMBAUZEIT: 1997–1998
ARCHITEKT: Klaus Block
An St. Marien im brandenburgischen Müncheberg lässt sich ablesen, wie viel Veränderung zum Leben einer Kirche gehören kann: Als Zisterziensergründung im 13. Jahrhundert errichtet, wurde der Bau im 15. Jahrhundert erhöht und verstärkt und im frühen 19. Jahrhundert mit einem neuen Turm versehen, um im Zweiten Weltkrieg zur Ruine zu werden. Doch wirklich bekannt wurde St. Marien ihrer seiner (vorerst) letzten Transformation, als der Architekt Klaus Block dem frisch wiederaufgebauten Kulturdenkmal ein neues, flexibles Innenleben verpasste. Damit entstand in Müncheberg bis 1998 eine jener hybriden Nutzungen, die Gottesdienst und weitere Funktionen unter einem Dach zu vereinen wusste – und wie sie aktuell angesichts des drohenden Kirchensterbens wieder vielerorts erprobt wird.

Müncheberg, St. Marien, Außenbau von Süden (Bild: Björn Nedegaard, via google-Maps, 2025)
Türme versetzen
Was das Äußere von St. Marien heute unverwechselbar macht, ist der abgerückte Glockenturm, den eine Art Schwibbogen mit dem Schiff verbindet. Im frühen 19. Jahrhundert hatte man sich durch statische Probleme gezwungen gesehen, den mittelalterlichen Turm abzubrechen. In der Folge schuf bis 1829 kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel den heutigen Bauteil, vier Meter entfernt vom gotischen Schiff. Der Architekt setzte seinem Werk als Dach einen markanten klassizistischen Kegel auf. Als die Kirche samt Ausstattung zum Ende des Zweiten Weltkriegs ausbrannte, die Gewölbe und Pfeiler einstürzten, blieb ironischerweise nur eben jener Turm (fast) unbeschadet erhalten.
Der Wiederaufbau der Kirche nach der Wiedervereinigung lief zunächst unter dem Schlagwort „Ruine unter Dach“. Um den Innenraum auch nachhaltig nutzbar zu machen, setzte der Berliner Architekt Klaus Block (1952-2021) auf einen deutlich zeitgenössischen Einbau im Schiff. Die Bilder, die Journalist:innen und Fachleute für das gebauchte Element fanden, schwankten meist zwischen biblischen Motiven wie Wal und Arche. Tatsächlich erinnern die mit Holzlamellen verkleideten Oberflächen an einen Schiffsrumpf, der im Erdgeschoss seine Türen zum mittelalterlichen Raum hin ausklappt. Auf den verschiedenen Ebenen des Einbaus sind eine Bibliothek und Gruppenräume untergebracht, die für kulturelle, aber auch kirchengemeindliche Zwecke zur Verfügung stehen. Das Schiff und der Chorraum, deren mittelalterliche Wände ihre Versehrtheit deutlich zeigen, können zudem für Gottesdienste, Versammlungen und Konzerte frei bestuhlt und gemietet werden.

Müncheberg, St. Marien, Blick vom Schiff zum Chorraum (Bild: Ingrid Achsel, via google-Maps, 2023)
Vorbildfähig
Um 2000, als die Nutzungsfrage der Kirchen in Fachkreisen schon einmal äußert lebhaft diskutiert wurde, kam keine der Tagungen ohne die eindrücklichen Fotografien der Projekte von Klaus Block aus: das MachMit-Kindermuseum etwa, dessen Erkundungsgänge wie Regale in das Schiff der Berliner Eliaskirche eingestellt sind. Oder eben der hölzerne Bibliothekseinbau, der sich wie ein Fremdkörper in das hohe Schiff der Stadtpfarrkirche von Müncheberg schiebt.
Als Professor für Baukonstruktion an der TU Berlin hatte Klaus Block einen Schwerpunkt im Bereich Kirchenbau ausgebildet. Dieser erstreckte sich nicht allein auf Umnutzungen, sondern auch auf Neubauprojekte und Sanierungen. So finden sich bei Block Neubauten wie die backsteinsichtigen Keile des Gemeindezentrums Großziethen. Mit dem Glasgang vor dem historischen Totentanz in der Berliner St. Marienkirche wusste er darüber hinaus zeitgenössische Ergänzungen programmatisch sichtbar zu gestalten. Nicht zuletzt zählt dazu die langwierige Sanierung der Elisabethkirche in Berlin-Mitte, errichtet nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel, deren Erhalt ebenfalls zu Blocks Verdiensten gehört.
Text: Karin Berkemann, 2025

Müncheberg, St. Marien, Kirchenbau am Ortsrand (Bild: Dietrich Mai, via google-Maps, 2023)

Bad Müncheberg, St. Marien, Außenbau zum Turm (Bild: Mehmet Güney, via google-Maps, 2023)

Bad Müncheberg, St. Marien, „Kronleuchter“ (Bild: Michaela Beck, via google-Maps, 2022)

Müncheberg, St. Marien, Fensterdetail (links) und Nagelkreuze (Bild: links: Kunsthaus Weiher, via google-Maps, 2018; rechts: F. Nehls, via google-Maps, 2020)

Müncheberg, St. Marien, Blick ins Schiff (Bild: links: Jürgen Fess, via google-Maps, 2019; rechts: Uwe Mechthold, via google-Maps, 2022)
Online-Auftritt des Architekturbüros Klaus Block.
Online-Auftritt der Kirchengemeinde.
Denkmaleintrag zu St. Marien.
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