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Wetter­station in Lingen an der Ems

1990, Kristana Widjaja, Niedersachsen, Preisgekrönt, Werner Holtmann
Lingen an der Ems, Wetterstation (Bild: Jacek Rużyczka, CC BY SA 4.0, 2019)

Lingen an der Ems, Wetterstation, Ansicht zur Teichstraße (Bild: Jacek Rużyczka, CC BY SA 4.0, 2019)

  • Wetterstation

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BAUT: Wetterstation
ADRESSE: Teichstraße 14, 49808 Lingen an der Ems
BAUZEIT: 1989–1990
MITWIRKENDE: Staatshochbauamt Lingen (Werner Holtmann, Kristana Widjaja) (Architektur); W. Krupka (Garten- und Landschaftsarchitektur)
PREISE: 1991 BDA-Preis Niedersachsen


Fast 30 Jahre lang sendete die Wetterstation in Lingen verlässlich Daten, an denen TV-Stationen, Flughäfen und Landwirte ihre Arbeit ausrichten konnten. Doch zuletzt zeichneten sich Unstimmigkeit ab, als am 25. Juli 2019 der Hitzerekord von 42,6 Grad durch die Presse ging. Bald musste dieser Höchstwert überprüft und schließlich nach unten korrigiert werden. Auf der Suche nach den Ursachen hieß es vor Ort, das Umfeld der Station habe sich zu stark verändert – und überhaupt, der Bau sei auch nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Schon seit geraumer Zeit suche man daher nach einem neuen Standort. 2020 wurde die 1990 eingeweihte Wetterstation an der Teichstraße stillgelegt, 2022 nahm der Neubau in Lingen-Baccum seinen Betrieb auf.

Wetterstation (Bilder: youtube-Still, 1994)

Lingen an der Ems, Wetterstation, Messen der Daten in den Innenräumen (links) und Front zum Freibad hin, Motive aus einem Dokumentarfilm von 1994 (Bild: youtube-Still)

Mit Bleistift und Magnetband

In Lingen werden bereits seit 1855 Messdaten erhoben, seit 1952 durch den Deutschen Wetterdienst (DWD). Ende der 1980er Jahre sollten die über das Stadtgebiet verteilten Stationen an einem Punkt gebündelt werden. Als der Neubau in der Grünfläche zwischen Freibad, Stadion und Kanal am 1. September 1990 eingeweiht wurde, bildete er eine von damals rund 2.000 DWD-Station bundesweit. Das schmale langgestreckte Erdgeschoss erstreckt sich von Norden nach Süden. Nach Norden, zur Teichstraße hin, öffnet es sich mit schräggestellten Glasflächen zum Tageslicht, während es nach Süden wie in einen Erdwall eingebunden erscheint. Die begrünte Dachfläche ist begehbar und gipfelt mittig – auf einer vieleckigen Grundfläche – in einem zweifach gestuften Turm, dessen Flachdächer ihrerseits wieder betreten werden können. Mit ihren schneeweißen Wandflächen, den umlaufenden Fensterbändern, den relingartigen Absturzsicherungen erinnert der Bau an Vorbilder aus der Seefahrt oder dem Badebetrieb der Klassischen Moderne. Der von einem Dreiecksgiebel bekrönte Haupteingang wiederum spielt mit Versatzstücken der Postmoderne.

Während in der heutigen Wetterstation vollautomatisch gemessen wird, war in ihrem Vorgänger von 1990 noch Handarbeit angesagt. Ein Dokumentationsfilm von 1994 verweist stolz darauf, dass Lingen zu den modernsten Wetterstationen ihrer Zeit zähle. Hier verfügte man bereits über Computertechnik, deren Ergebnisse noch durch händische Kontrollen und Datenspeicherung via Magnetband ergänzt wurden. Auf dem Außengelände, dem sogenannten Wettergarten, betreute das Team eine Klimahütte und einen Regenschreiber. In der Tiefe wurden die Erdbodentemperaturen gemessen und von der Turmplattform die Bewölkung und die Sichtweite beschrieben. Um die gesammelten Daten zeitnah vor allem für den Flugverkehr bereitstellen zu können, lag der Schwerpunkt auf einem schnellen Datentransfer. Nicht minder wichtig war es den Mitarbeiter:innen, eine Wettervorhersage ganz analog in der Schautafel zum Freibad hin bereitzustellen.

Lingen, Wetterdienst (Bild: Ramsch, CC BY SA 4.0, 2019)

Lingen an der Ems, Wetterstation, Eingangsfront zur Teichstraße (links) und Schild des Deutschen Wetterdienstes (Bilder: Ramsch, CC BY SA 4.0, 2019)

22 Meter über Normalnull

So stolz Lingen in den 1990er Jahren auf die technische Ausstattung der neuen Wetterstation war, so durchdacht wurde sie auch gestalterisch in die Umgebung eingebunden. Für die Architektur zeichnete, unter der Bauherrenschaft des Deutschen Wetterdienstes, das Staatshochbauamt Lingen – hier namentlich Werner Holtmann und Kristana Widjaja – verantwortlich. Die garten- und landschaftsarchitektonische Einbindung des naturnahen Baukörpers übernahm W. Krupka aus Bad Pyrmont. 1991 wurde die Wetterstation mit dem BDA-Architekturpreis Niedersachsen ausgezeichnet, woran vor Ort bis heute eine Plakette erinnert. Nachdem der Bau in der Teichstraße vier Jahre leergestanden hatte, erwarb ihn der Wirtschaftsbetriebe Lingen vom Bund. Sie begründeten den Schritt damit, so Nutzungskonflikte mit den angrenzenden öffentlichen Flächen vermeiden zu können. Allerdings ist die künftige Nutzung der preisgekrönten Wetterstation noch ungewiss.

Text: Karin Berkemann, Mai 2025

Lingen an der Ems, Wetterstation (Bild: Ramsch, CC BY SA 4.0, 2019)

Lingen an der Ems, Wetterstation, Front zur Teichstraße (Bild: Ramsch, CC BY SA 4.0, 2019)

Wetterstation (Bild: youtube-Still, 1994)

Lingen an der Ems, Wetterstation, BDA-Architekturpreis Niedersachsen, Motiv in einem Dokumentarfilm von 1994 (Bild: youtube-Still)

Mausch, Julia, Alte Station seit 2020 vom Netz. Bauarbeiten an der neuen Wetterstation in Lingen verzögern sich, in: noz, 31. August 2021.
Deutscher Wetterdienst annulliert deutschen Temperaturrekord in Lingen, auf: lingen.de, 20. Dezember 2020.
Roggendorf, Wilfried, Zwischen Freibad und Emslandstadion. Wirtschaftsbetriebe Lingen kaufen alte Wetterstation an der Teichstraße, in: noz, 9. Oktober 2024.
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